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Dieses Thema hat 39 Antworten
und wurde 6.659 mal aufgerufen
 Harzer Häuser
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kuno Offline



Beiträge: 1.316

30.01.2010 18:05
Tragisches Ende des Forsthauses Schluft antworten

Hallo zusammen,
auf der BAE spielt ja auch die Siedlung Schluft im Siebertal eine wichtige Rolle.
Zur Schluft möchte ich gern einige historische Zeilen schreiben. Mögen sie den Mitgliedern des BAE-Clubs ins Gedächtnis kommen, wenn sie diese Stelle ihrer Modellbahn-Anlage befahren!
Wer einmal vor über 35 Jahren, damals noch mit dem Auto möglich, durch das Siebertal gefahren ist, der kam an einem mächtigen Forsthaus vorbei. Es war das einzige Gebäude in diesem Teil des Tals und führte als einziges noch diesen Namen: das Forsthaus Schluft.

Im 17. Jahrhundert gab es in der Nähe dieses Gebäudes schon einmal ein Haus, besser gesagt ein Hüttenwerk: das zur „Schwarzen Schluft“. Es steht schon seit ca. 1657 nicht mehr, aber da wo es stand, am Eingang zum Sonnental, zeugen noch einige Schlackenhalden sowie ein verfallener Stollen davon. Der Name „Schluft“ leitet sich von Schlucht ab. Die benachbarten Täler mit ihren engen und bizarren Felsformationen haben dem Gebiet die Bezeichnung gegeben. Durch das Tal der Sieber soll auch schon ein sehr alter Fernweg verlaufe sein, der schon 1298 als „Sperreberges Weg“ erwähnt wurde.

Das genaue Alter des Forsthauses habe ich noch nicht herausbekommen können, es soll in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut sein. Früher gingen die Waldarbeiter aus Sieber die 9 km zu Fuß dorthin in ihr Forstrevier zur Arbeit. Nicht täglich, denn sie blieben über die Woche dort in der „Herberge“, wie das Wirtschaftsgebäude an der Försterei genannt wurde. Das Forsthaus selber war immer ein beliebtes Wanderziel gewesen, kreuzen sich hier doch viele Wege. Gäste aus der ganzen Region zog es hierhin, denn das Haus war bewirtschaftet. Daneben war das Haus natürlich auch die Dienstwohnung des Revierförsters. Gleichzeitig war dort jahrelang ein Posthilfsstelle mit einem öffentlichen Fernsprecher untergebracht.

Anfang der 1970er Jahre wurde das Forsthaus im Rahmen einer forstwirtschaftlichen Rationalisierungsmaßnahme geschlossen. Das Gebäude hatte keine Verwendung mehr und war zudem renovierungsbedürftig.
Der Verkauf oder die Verpachtung des Anwesens an Privatpersonen, etwa zum Betrieb eines Ausflugslokals, wurde unverständlicherweise seitens der Forstbehörden ausgeschlossen.
In einer ungewohnten Schnelligkeit wurde das rund 300 Jahre alte Haus dem Erdboden gleichgemacht. Und das ganze lief im Mai 1974 im Rahmen einer Feuerwehrübung unter den wachsamen Augen der von der Forst dafür beauftragten Wehren aus Sieber und St.Andreasberg ab! Innerhalb weniger Stunden fand das Haus sowie das gegenüberliegende Wirtschaftsgebäude sein Ende.
Weniger Jahre später wurde aus das komplette Siebertal für KfZ gesperrt und später dem Nationalpark einverleibt.

Ein Schelm, wer bei diesen Zusammenhängen Böses denkt!

Heute erinnern nur einige Stützmauern und grasüberwachsene Fundamentreste an den früheren Standort. Auch ein kleiner Brunnen, der aus der alten Hauswasserleitung gespeist wird, existiert noch.

Mich hat diese Begebenheit mit dem „warmen Abriss“ eines so alten traditionsreichen Hauses schon als Jugendlicher geärgert. Dieses Anwesen hatte für mich ein so prägnantes herrliches Aussehen und es war für mich immer der Inbegriff des „typischen Forsthauses“!

Für Euch habe ich aus meiner Sammlung von Bildern über das Haus einige typische Ansichten beigefügt.

Hat nicht ein pfiffiger Modellbauer Lust, dieses Gebäude für die BAE-Anlage wieder auferstehen zu lassen?

Es grüßt Euch in trauriger Erinnerung

Jörg

Angefügte Bilder:
Schluft 1.jpg   Schluft 2.jpg   Schluft 3.jpg   Schluft 4.jpg  
Horst aus Grünsiel Offline


BAE-Club-Mitglied


Beiträge: 22

30.01.2010 21:32
#2 RE: Tragisches Ende des Forsthauses Schluft antworten

Hallo zusammen,

diese gut gemachte Erinnerung an das alte Forsthaus Schluft zeigt in beklagenswerter Weise
die Hochnäsigkeit in der so schnell zu Wohlstand gekommenen Bundesrepublik, wie mit den
Kulturgütern, die wie durch ein Wunder dem Inferno dieses noch hochnäsiger vom Zaun gebrochenen
Krieges übriggeblieben sind, umgegangen wurde. Es ist auf jeden Fall eine Riesenschande.

Um so mehr verdienen die übergebliebenen, wunderschönen Aufnahmen der aufmerksamen Betrachtung,
und auch ich fände die Rekonstruktion, zumindest als Modell, als außerordentlich erstrebenswert.
Auf, auf, Ihr angesprochenen Modellbauer. Aber bitte nicht alle auf einmal.

Horst aus Grünsiel

OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 4.841

31.01.2010 09:30
#3 RE: Tragisches Ende des Forsthauses Schluft antworten

Hallo Jörg,
riesiges für deinen Bericht über das alte Forsthaus Schluft im Siebertal. Da steht einiges drin, was ich schon wusste, aber nochmehr, was ich nicht wusste. Ich werde vom BAE-Unterforum aus einen Querlink setzen, damit auch alle Mitglieder des BAE-Clubs mit der gebührenden Kenntnis und Aufmerksamkeit durch Schluft fahren.
Zu Sperrung der Siebertalstraße und anderer Straßen im Harz: Wenn alle Touristen, die heute noch im Harz unterwegs sind, diese Straße(n) und die Waldwege benutzen würden, würde weit weniger Schaden und Kosten entstehen, als die Holzerntemaschinen ständig verursachen. Ich könnte da Bilder von Verwüstungen einstellen, dass sich einem die Haare sträuben.Man hat damals ja damit gerechnet, dass die Bäume in den Himmel wachsen und der Tourismus im Harz weiter exponentiell zunimmt. Pustekuchen.

OOK.
Die vierte Harzer Meterspurbahn (BAE) gibts jetzt als Maxi-Buch, auch für Harzfreunde ohne Modellinteresse hochinteressant: https://shop.vgbahn.info/vgbahn/shop/die...bahn-_3723.html
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kuno Offline



Beiträge: 1.316

31.01.2010 09:50
#4 RE: Tragisches Ende des Forsthauses Schluft antworten

Danke Euch für Eure Meinungen zu meinem Artikel.

Anbei noch zwei ergänzende Bilder zum Forsthaus Schluft: einmal die andere Seite des Anwesens und dann das Bild vom "warmen Abriss".


Wie ist das Motto unseres BAE-Club-Mitglieds Michael doch gleich:
"Abrissbirne finde ich doof!"
@Michael:

Gruß
Jörg

Angefügte Bilder:
Schluft 5.jpg   Schluft 6.jpg  
Volka Offline




Beiträge: 3.766

01.02.2010 21:47
#5 RE: Tragisches Ende des Forsthauses Schluft antworten

Hallo zusammen!

Ich kannte das Forsthaus Schluft bisher nicht und es war interessant darüber zu lesen und die Bilder zu betrachten. Nun will ich mal eine andere Meinung äußern:

Soweit ich weiß, sind Bebauung außerhalb von Ortschaften nicht gestattet. Dieser Grundsatz hat bestimmt damit zu tun, dass die Zersiedlung unserer Landschaft verhindert werden soll. Ich kann mich schwach an ein paar Artikel und Leserbriefe im "Oberharz Observer", der Goslarschen Zeitung, zu Beginn der Neunziger Jahre erinnern, wo Wohngebäude gelegen zwischen Bochswiese und Goslar abgerissen worden sind. Sie standen da noch von früher her und standen im Zusammanhang mit einem alten Betrieb, der aber weggefallen war. Insofern kann ich die Entscheidung der Forst im Siebertal auch verstehen. Nun findet man aber immer wieder alte Häuser einzeln in den Wäldern des Harzes stehen, wie z.B. das Polsterberger Hubhaus, ein Restaurant. Ich kann mir vorstellen, dass hier die Nutzung wechselte bevor obiger Grundsatz manifestiert wurde. Da gilt jetzt sicherlich der Bestandsschutz.

Aber all diese Häuser stehen meist etwas ab vom Schuss und sind nicht unbedingt gut vom automobilen Tagestouristen erreichbar, der den Harz ja langsam doch dominiert. Da ist die Kundschaft schnell spärlich und ich glaube, das wäre dem Fortshaus Schluft nach der Sperrung der Straße genauso passiert. Im Tal, wo die Barytbahn verkehrte, steht auch so ein schönes altes Haus mit Wirtschaftsgebäuden. Ob es ein Fortshaus war, kann ich nicht sagen. Es liegt näher dran an einem von Touris gut besuchten Ort - Bad Lauterberg - und dennoch war es, an dem schönen im Frühsommer, als ich dort aß, ziemlich leer. Jörg, und mir ging es bestimmt wie Dir: Ich fand es dort sehr schön.

Volker

kuno Offline



Beiträge: 1.316

01.02.2010 23:15
#6 RE: Tragisches Ende des Forsthauses Schluft antworten

Volker,
dazu noch ein paar Zeilen von mir:
ich finde es nicht in Ordnung, wenn Kultur und Tradition mit Füßen getreten wird. Ein solches Gebäude mit Geschichte und Tradition, mit vorhandener Erschließung an Strom, Telefon und evtl. auch Abwasser u.ä. hätte es damals verdient, dafür eine auf Erhalt basierende Lösung zu finden. Natürlich läßt sich heute schwerlich darüber diskutieren, da wir die Hintergründe von einst nicht genau kennen. Nur: der Harz lebt auch von Wanderzielen. Dass es ein solcher war, der zudem äußerst beliebt und Treffpunkt allsonntäglicher Gästeströme war, läßt sich gut nachlesen.

Fazit von mir: Die Forstverwaltung ist mit dem Abriss den bequemsten und wahrscheinlich billigsten Weg gegangen. Der sollte aber nicht immer der richtig sein; denn wir Menschen haben auch Gemüt, Gefühl und Kultur. Da stehen die Generationen Leute, die dort gewohnt und gearbeitet haben, hinter. genauso wie die, die dort auf der Sonnenterasse Kaffee getrunken und eine Ansichtskarte an Ihre Lieben geschrieben haben mit den Worten: wie schön ist es hier! Also: ein Weg zu suchen, eine realistische Chance für so ein ehrwürdiges Gebäude zu finden, sollte immer der Weg sein, so unbequem er auch werden kann.

Aber vielleicht ist es ja auch versucht worden, wir wissen es nicht.

Gruß
Jörg

OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 4.841

19.07.2013 16:46
#7 Forsthauses Schluft einst und "jetzt" antworten

Wer eine Weile in diesem Forum unterwegs ist, weiß, dass ich in meiner blühenden Phantasie an die Stelle, wo einst das Forsthaus Schluft stand, ein kleines Straßendorf à la Wieda und sogar eine Eisenhütte à la Wiedaer Hütte hingezaubert habe - und zwar auf meiner Modelleisenbahn, der Braunlage-Andreasberger Eisenbahn.

In grauer Vorzeit, als die Siebertalstraße noch offen war bin ich mal mit meiner Mutter dort entlang gefahren, seither aber nie wieder dorthin gekommen. Jetzt wollte ich aber mal schauen, wie es real heute dort aussieht und bin vom Dreibrodeparkplatz dorthin gewandert. Dieser P-Platz liegt gegenüber dem Internationalen Haus Sonnenberg, dort, wo der Weg zum Rehberger Grabenhaus abzweigt. Meinen Wanderweg seht ihr auf dieser Karte:



Der rote Pfeil weist auf eine Abkürzung hin, die mit "Alter Briefträgerweg" ausgeschildert ist, sehr romantisch und nur ein Fußpfad. Auf der Fischbachstraße kam ich hinunter ins Siebertal, das ich an der Stelle erreichte, wo das Schild "Schlufter Wiesen" steht, dort weideten früher die Kühe, die im Stall des Forsthauses zuhause waren.



Von den Bildern, die Jörg im Eingangsposting dieses Stranges angehängt hatte, füge ich hier eins nochmal ein:



Wichtig ist die kleine Steinbrücke über die Sieber, denn die ist heute noch, wenn auch baufällig, vorhanden und dient als Orientierung zur Lokalisierung des Platzes.
Heute sieht das dann so aus:



Das rechte Bild, aufgenommen durch das Geländer der über die Steinbrücke gelegten Holzbrücke, zeigt die heutige "Schlufter Hütte"!

OOK.
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AxelR. Offline



Beiträge: 1.593

19.07.2013 23:38
#8 RE: Forsthauses Schluft einst und "jetzt" antworten

ich liebe es.....,
früher und heute.
Schön das Du wieder Fit bist !!

Gruss aus dem Harz
Axel

Lutterberger Offline




Beiträge: 32

26.07.2013 08:46
#9 RE: Forsthauses Schluft einst und "jetzt" antworten

... und ich dachte immer, den Ort Schluft hätte es wirklich gegeben.
Es grüßt der
Lutterberger

OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 4.841

26.07.2013 14:07
#10 RE: Forsthauses Schluft einst und "jetzt" antworten

Zitat von Lutterberger im Beitrag #9
... und ich dachte immer, den Ort Schluft hätte es wirklich gegeben.


Manchmal denke ich das auch ....

OOK.
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AxelR. Offline



Beiträge: 1.593

26.07.2013 22:53
#11 RE: Forsthauses Schluft einst und "jetzt" antworten

...die Schlufthütter Wander-Rasthütte,
den Ort "Schluft" gab es natürlich nicht...
die Steinbrücke hat mich begeistert, obwohl ich mich jetzt frage ob es diese jemals gab ?
von den Maßen her passt es nicht wirklich....hmm

Gruss aus dem Harz
Axel

kuno Offline



Beiträge: 1.316

01.08.2013 14:50
#12 RE: Forsthauses Schluft einst und "jetzt" antworten

Bild von Schluft mit den umliegenden Wiesen Anfang der 1950er Jahre aufgenommen:



Auf diesem Fleckchen hätte man gut ein ganzes Harzdörfchen erbauen können. In der Mitte der Sieberfluss, drumherum kleine typische Harzhäuser mit Stallgebäuden und großem Garten. Dann hätte es OOKs Phantasie-Dorf tatsächlich gegeben.

Gruß
Jörg

OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 4.841

01.08.2013 15:59
#13 RE: Forsthauses Schluft einst und "jetzt" antworten

Die Karte kannte ich noch nicht, Jörg. Danke. Ja, Phantasie kann Berge versetzen.

OOK.
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kuno Offline



Beiträge: 1.316

04.08.2013 11:21
#14 RE: Forsthauses Schluft einst und "jetzt" antworten

Zitat von AxelR. im Beitrag #11

die Steinbrücke hat mich begeistert, obwohl ich mich jetzt frage ob es diese jemals gab ?
von den Maßen her passt es nicht wirklich....hmm


Hallo Axel,
klar gab es diese Steinbrücke. Hier noch ein historisches Foto, das sie aus der Nähe zeigt, allerdings die andere Seite von Ottos kürzlich gemachtem Foto.

Gruß
Jörg

Volker Offline




Beiträge: 5

04.09.2013 20:34
#15 RE: Forsthauses Schluft einst und "jetzt" antworten

Hallo liebe Freunde des Forsthauses Schluft! Ich bin neu hier im Forum und sage erst jetzt "Hallo", obwohl ich mich vor 2 1/2 Jahren schon wegen dieses Themas hier im Forum angemeldet hatte. Aber Otto war damals so überflutet von (Fake-)Neuanmeldungen, dass mein Antrag untergegangen war. Nachdem es dann mit der Anmeldung doch noch geklappt hat, habe ich dieses Forum jedoch aus den Augen verloren. Aber nun! :-)

Ich habe eine schöne Geschichte entdeckt, die mein Vater (heute 85) vor langer Zeit über seine winterlichen "Begegnungen" mit dem Forsthaus Schluft Mitte der 1950er Jahre geschrieben hat. Ich glaube, diese Geschichte trägt mit dazu bei, die Stimmung nachfühlbar zu machen, die dieses schöne Häuschen bei seinen Besuchern erzeugte:

Aus "Kleine Reiseskizzen":

Winterfreuden

Wenn wir auf unseren alten Skibrettern von der Höhe des "Ackers" im Oberharz, nahe der Hanskühnenburg, hinabglitten in das hintere Siebertal, stieg immer ein überschäumendes Glücksgefühl in mir hoch.

Diese Höhen waren damals im Winter noch sehr wenig begangen. Der meterhohe, unberührte Schnee, seine im Sonnenlicht glitzernden Kristalle und die weißverhangenen, ringsum vereinzelt stehenden Fichten erzeugten eine weltabgewandte Stimmung, von der dunklen Bläue des Himmels noch verstärkt. Ein Bächlein gluckste unter dem Schneepanzer, zeigte sich hier und dort, um gleich wieder unter der weißen Decke zu entschwinden. Es war eine stille, leuchtende Welt, in der man sich manchmal auch verlassen einsam fühlen konnte. Beschaulich zog man seine Spur dahin, verarbeitete widerstreitende Empfindungen: den schönen Schein einer verzauberten Welt und das kalte Ausgesetztsein, die Einsamkeit, besonders, wenn Nebel aufkam und die Sicht auf wenige Meter begrenzte. Alle Geräusche erklangen gedämpft, selbst das Streichen der vorwärtsspurenden Skier, das Stapfen und Klappern der Stöcke im Schnee.
Und dann die kitzelnde Lust des mühelosen Hinabgleitens auf dem allmählich sich zu Tal senkenden Berghang, steiler werdend, nun alle Aufmerksamkeit fordernd.
Irgendwann dann der erste freie Blick hinab in das tief unten dunkelnde Tal, grau, versunken, erschreckte und forderte heraus. Innerliche Rüstung zur kurzen Steilabfahrt - - - hinab!

Ziemlich am Ende des Tales lag damals verwunschen das Forsthaus "Schluft", das später leider dem - glücklicherweise nach Presseberichten nicht verwirklichten - Talsperrenprojekt weichen mußte. Rauch kräuselte sich immer aus dem Schornstein, ein sicheres Zeichen dafür, daß drinnen schön eingeheizt und die Küche in Betrieb war. In der engen Gaststube empfing uns stets eine bullige Wärme und gerappelte Vollheit. Irgendwo fand man noch ein Plätzchen zwischen anderen Gästen, löffelte mit Wohlbehagen seine warme Erbsensuppe, trank sein Bier und war rundherum mit sich und der Welt zufrieden.
In diesem komfortablen Zustand begaben wir uns hinaus auf den weiteren Weg nach Sankt Andreasberg. Nun spürten wir auch wieder die Kälte. Als wir ankamen, dunkelte es bereits. Einige Abfahrten von den Berghängen im Ortsbereich beendeten diesen Tag, bis der Bus uns heimwärts fuhr. Die Nacht nahm uns auf und die Gedanken kehrten noch einmal zu den weißen Wundern der Oberharzer Einsamkeit zurück.

Hans Ulle

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