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Dieses Thema hat 20 Antworten
und wurde 3.901 mal aufgerufen
 Harz: Nicht-Eisenbahniges
Seiten 1 | 2
bergkamp-nl Offline



Beiträge: 55

31.01.2010 22:58
Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Da habe ich vor einige Zeit ein kleines Foto gekauft von eine Büssing Bus in Bhf Braunlage von 1955 ohne weitere Details.
Werr kann mir sagen ob das ein Büssing Bus der SHE ist? Oder haben andere Bussen auch Halt gemacht am Bahnhof Braunlage. Kan jemand auskunft geben wer die twei Männer beim Bus sind?

Wim

Angefügte Bilder:
SHE 67 Büssing Bus Bhf Braunlage 1956.JPG  
kuno Offline



Beiträge: 1.248

01.02.2010 06:33
#2 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Hallo Wim,
der abgebildete Bus ist ein SHE-Bus. IN Winfried Dörners Buch auf Seite 203 ist der gleiche Bus zu sehen, erkennbar am identischen Kennzeichen/Nummernschild.
Dein Bild müßte ich einmal Herrn Grenzel vorlegen, der Fahrer der SHE-Busse war, und noch in Braunlage lebt.
Ich will mich sowieso mit ihm treffen.

Zu den Braunlager Busanfängen und der KOnkurrenzsituation (Reichspost: Haltestelle/DEpot Berliner Hof, KVG Braunschweig: Haltestelle/Depot Heinrich-Jasper-Platz, SHE: Haltestelle/Depot Bahnhof) habe ich letztes Jahr einen umfangreichen Artikel für die Zeitung recherchiert und veröffentlicht.
Sobald meine damalige PC-Festplatte mit den Daten wieder bei mir ist (wird zurzeit rekonstruiert), werde ich hier im Forum íhn gern einmal mit schönen alten Bildern wiedergeben.

Jörg

bergkamp-nl Offline



Beiträge: 55

05.02.2010 21:57
#3 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Hallo Jörg,

Das interessiert mich ganz.
Kann ich ein Kopie deiner Artikel bekommen (digital reicht auch)

Wim

kuno Offline



Beiträge: 1.248

15.02.2010 20:36
#4 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Hallo zusammen,
endlich konnte ich meine alte Festplatte wieder rekonstruieren. Da sind auch meine historischen Veröffentlichungen für die Braunlager Zeitung, die ich monatlich schreibe, darauf. In 2009 habe ich einmal über Büssing geschrieben. Es folgt der Artikel mit mehreren Bildern dazu. Wer den langen Text lesen mag, viel Spaß dabei!

Gruß
Jörg

Vor 100 Jahren wurden in Braunlage die ersten Buslinien eingerichtet
Bus-Pionier Heinrich Büssing setzte seine selbst gebauten Fahrzeuge hier im Harz ein - schnell verdrängten sie die Pferdekutschen und waren Auslöser für einen Gästeboom


Als der Kurbetrieb in Braunlage Ende des 19. Jahrhunderts begann, waren die Gäste bei ihrer langen und beschwerlichen An- und Abreise noch auf den Pferdewagen bzw. die Postkutsche angewiesen. Diese verkehrte seit 1842 fahrplanmäßigen auf der Verbindung Bad Harzburg – Nordhausen. Es entwickelten sich bald weitere Routen, die schließlich Braunlage zum Mittelpunkt eines ausgedehnten Liniennetzes werden ließen. Tägliche Pferdeposten gingen nach Bad Harzburg (Fahrdauer 3 Stunden), nach Elbingerode (2 Stunden), nach Ellrich (2 ½ Sunden) und nach St. Andreasberg (2 Sunden). Rund 20 Pferde mit 12-14 Wagen waren in der so genannten Posthalterei (heutige Herzog-Wilhelm-Straße 33) untergebracht. Allerdings konnten nur maximal 8 Personen in der Kutsche transportiert werden.
Durch ständig steigende Gästezahlen reichte dieser Bestand bald nicht mehr aus und hiesige Fuhrwerksbesitzer mussten mit Personal und Fuhrwerken aushelfen. Durch den Bau der Südharz-Eisenbahn im Jahr 1899 trat schließlich die erhoffte Entlastung ein. Während der Zeit davor weilten rund 3.000 Kurgäste jährlich in Braunlage; im Jahre 1904 waren es bereits schon 5.000. Gerade im Winter, wo bisher die Anreise per Kutsche oft gefährlich war, brachte die Eisenbahn nunmehr große Mengen an Wintersportbegeisterten zu uns. Schnell trat das moderne Verkehrsmittel seinen Siegeszug an. Die Gäste aus den östlichen, südlichen und westlichen Gegenden Deutschlands reisten mit der Bahn über Walkenried oder über Blankenburg an. Alle Pferdelinien außer die vom Norden aus Bad Harzburg waren überflüssig geworden und wurden eingestellt.

Doch die Eisenbahn kam nicht überall hin. Gerade hier im Harz machte die Topographie den Bahningenieuren Schwierigkeiten. Eine Verbindung von Braunlage nach Bad Harzburg oder Altenau - Clausthal wäre nur unter großen baulichen und finanziellen Anstrengungen machbar gewesen. Als dann mit Beginn des 20. Jahrhunderts die ersten Motorwagen aufkamen, zeichnete sich das Ende der Pferde-Fuhrwerke als Transportmittel ab.
Die Braunschweiger Firma Büssing war es, die 1909, also vor nunmehr genau 100 Jahren, erste Autobus-Linien im Harz und auch nach Braunlage einrichtete. Diese Entwicklung hat eine interessante Vorgeschichte, auf die im Folgenden kurz eingegangen werden soll:
Gründer dieser Firma war Heinrich Büssing. Er wurde am 29.06.1843 in Nordsteimke bei Wolfsburg geboren und entstammt einer alten Schmiedefamilie. In jungen Jahren sah er bereits voraus, dass die Zukunft nicht dem Handwerk, sondern der industriellen Großproduktion gehörte. Da er seine Bildung als unzureichend empfand, schrieb er sich 1863 gegen den Willen seines Vaters und obwohl er nur eine Dorfschule besucht hatte, im Braunschweiger Collegium Carolinum ein. Als Gasthörer studierte er drei Jahre lang Maschinenbau und Bautechnik. 1869 gründete Büssing in Braunschweig sein erstes Unternehmen, eine "Velocipedes-Fabrik", in der er Fahrräder, die er selbst erfunden hatte, produzierte. Später gründete er daraus eine Maschinenbauanstalt und eine Firma für Eisenbahnsignaltechnik. Aus diesen Aktivitäten wurde er recht vermögend. Doch anstatt sich mit dem Erreichten in seinem hohen Alter zur Ruhe zu setzen, gründete er 1903 in Braunschweig unter seinem Namen noch eine Fahrzeugbau-Firma. Denn er hatte eine Vision: er wollte aus dem neu erfundenen Automobil Nutzfahrzeuge entwickeln, die größere Gruppen an Menschen bequem transportieren konnten. Noch im gleichen Jahr war ein erstes Gefährt (eine Art LKW) fertig. Die Neuerung gegenüber bisher üblichen durch Riemen angetriebenen Automobilen war hierbei ein Ketten-/Zahnrad-Schaltgetriebe. Mit der erfolgreichen Weiterentwicklung der Technik konnten so 1904 die ersten „Omnibusse“ (v. lat. omnibus „für alle“) die Fabrik verlassen. Sie hatten bereits bis zu 20 PS, erreichten eine maximale Geschwindigkeit von 30 km/h und boten bis zu 30 Personen Platz. Es waren offene Wagen mit Karbidbeleuchtung, Vollgummibereifung und Andrehkurbel.
Probefahrten führten bis in den Harz nach Bad Harzburg, Goslar, Clausthal und am 4. September 1904 auch nach Braunlage. Die hiesige Zeitung berichtete damals von diesem Ereignis: So war der elegant wirkende Automobil-Omnibus mit 24 Fahrgästen besetzt, die bequem in dem geschmackvoll eingerichteten Wagen sitzen konnten. Die Fahrt verlief störungsfrei -auch in den Steigungen bei Torfhaus- und dauerte nur 1 ½ Stunden. In Braunlage wurde er ausgiebig von vielen Einheimischen besichtigt.
Büssing entwickelte seine Vision weiter. Er gründete ein erstes Busunternehmen, die „Automobil-Omnibus-Betriebs-Gesellschaft“. 1905 war vorgesehen, in den Sommermonaten einen täglichen Verkehr zwischen Bad Harzburg und Braunlage einzuführen. Allerdings führten die erheblichen Steigungen immer wieder zu Pannen, so dass die erste Büssing-Linie im Harz nur bis zum Radau-Wasserfall führte. Dafür richtete er mit seinen Bussen überall im Deutschen Reich Verbindungen ein, es waren die ersten Omnibuslinien der Welt!
Mit der Förderung dieses Massentransportmittels auf der Straße in eigener Regie gilt er zweifelsohne als einer der wichtigsten Bus-Pioniere Deutschlands.

Die Schwierigkeiten in den Steigungen des Harzes ging er durch technische Weiterentwicklungen an. Am 20. Dezember 1909 gründete er die „Büssing Kraftverkehrs-Betriebs-Gesellschaft m.b.H.“ mit anfänglich 4 Linien, die alle im Harz verliefen:
Bad Harzburg – Radauwasserfall, Bad Harzburg – Oker – Goslar, Goslar – Hahnenklee und Bad Harzburg – Torfhaus – Braunlage.
In extremer Schnelligkeit folgten bereits ein Jahr später Linien nach St. Andreasberg, Altenau, Osterode, Bad Lauterberg, Clausthal-Zellerfeld und auch die Verbindung Braunlage – Elend.
1912 folgte u.a. der Anschluss nach Hohegeiß, 1913 nach Hasselfelde und Rübeland.

Welche Massen an Menschen durch dieses neue Transportmittel nach Braunlage gebracht werden konnten, demonstrieren die Zahlen von 1912: rund 25.000 Fahrgäste fuhren allein auf der Linie Bad Harzburg – Braunlage. 13.000 Kurgäste wurden in unserem Ort registriert, rund dreimal soviel wie 10 Jahre zuvor. Neben der Südharz-Eisenbahn waren die in blau gestrichenen Büssing-Busse somit der Auslöser für einen Braunlager Gästeboom. Denn während die alte Postkutsche nur einmal täglich fuhr, boten die Busse je nach Linie damals schon bis zu 7 Fahrten je Richtung pro Tag an.
Allerdings konnte dieses Linienangebot nur in den Sommermonaten gewährleistet werden, da vor allem die starken Steigungen und fehlende Streu- und Räummöglichkeiten eine geregelte Fahrt mit dem Bus im Winter oft unmöglich machten. So war auch die Postkutsche auf der Strecke Bad Harzburg und Braunlage noch bis zum Jahr 1920 unentbehrlich.
Während des 1. Weltkriegs kam es generell zu einer Unterbrechung der Omnibus- und Streckenentwicklung. Erst danach kamen die Fahrten langsam wieder in Gang.
Ende 1927 bot man dann einen ersten Winter-Fahrplan an, in dem 4 Buspaare zwischen Bad Harzburg und Braunlage pendelten. Es wurde aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass in den schon geheizten Bussen nur „bis auf Weiteres“ gefahren wurde und der „Fahrplan ohne Gewähr“ war. Aber der Fortschritt war nicht aufzuhalten und das Winter-Linienangebot konnte bald dauerhaft aufrecht erhalten werden. So hatte man z.B. mit Ballonrädern eine bessere Bereifung und räumte mit einem eher primitiven Schlepp-Pflug den Schnee von der Straße. Anfang der 1930er Jahre wurde zudem die Reichsstraße 4 ausgebaut, was eine deutliche Verbesserung der Verhältnisse bewirkte.

Der Busbetrieb von Heinrich Büssing ging am 22. November 1919 in ein staatlich kommunales Unternehmen, der „Kraftverkehrsgesellschaft Braunschweig (KVG)“ auf, die ja bis heute den Linienverkehr in weiten Teilen des Braunschweiger Landes und des Harzes bestimmt. Er selbst starb 1929, war 6 Jahre zuvor zum Ehrenbürger der Stadt Braunschweig ernannt worden. Seine Söhne führten das Unternehmen weiter, entwickelten es bis zum 2. Weltkrieg als zweitgrößte seiner Art in Deutschland nach Daimler-Benz. Viele Büssing-Erholungsheime wurden errichtet, eines davon auch in Braunlage in der Bismarckstraße.
In den 1960er Jahren stieg als Großaktionär die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) ein und übernahm 1971 Büssing schließlich ganz. Von der Firma überlebte nur das alte Firmenlogo, der Braunschweiger Löwe, der bis heute den Kühlergrill von MAN-Nutzfahrzeugen ziert. Es war schon damals ein Inbegriff für Qualität und Zuverlässigkeit weit über die Landesgrenzen hinaus.

Doch so ein rasanter Erfolg, den Büssing mit der Umsetzung seiner Idee nach einem Massentransportmittel auf Straßen hatte, brachte auch Neider auf den Plan. Zum größten Konkurrent der KVG wurde erstaunlicherweise die staatliche Deutsche Reichspost, die im gesamten Deutschland Linien anlegte. Der fahrgastreiche Harz war ein lohnenswertes Terrain. Am 30. April 1920 lösten motorbetriebene gelbe Reichspost-Busse die letzte Postkutsche zwischen Bad Harzburg – Torfhaus – Braunlage ab. Auf dieser Linie fuhr aber bekanntlich schon die KVG. Als ein Jahr später plötzlich ohne vorherige Ankündigung auch deren Strecke Braunlage – Elend – Schierke parallel durch die Reichspost mit eigenem Fahrplan bedient wurde, eskalierte der Streit. Das Herzogtum Braunschweig trat auf den Plan: hatte es doch mit der KVG ein quasi hoheitliches Busunternehmen und generierte daraus Einnahmen in Form von Steuern (jährlich 72.000 RM). Diese wollte man sich durch einen Wettbewerb mit der Post nicht streitig machen, zumal der öffentliche Personenverkehr als Ländersache geregelt war. So erschien am 25. Juni 1921 ein bewaffnetes Schutzpolizei-Aufgebot in Braunlage und untersagte dem Postbus die Weiterfahrt nach Elend. Dieser als „Braunlager Autobuskrieg“ bezeichnete Vorfall ging durch die Schlagzeilen der Weltpresse. Er unterstrich allerdings eindrucksvoll, dass die Länder auf ihr Recht zur Durchführung des Personenverkehrs auf ihren territorialen Straßen festhalten würden. 1927 einigte man sich schließlich darauf, zukünftig Fahrpläne und Tarife miteinander zu koordinieren und aufeinander abzustimmen.

Neben der Reichspost erkannten auch andere Gesellschaften sowie private Unternehmer die Möglichkeiten, die sich mit dem Betrieb von Omnibussen entwickeln ließen. Die Firma Hahne in Hohegeiß stieg in das Geschäft genauso ein wie die Südharz-Eisenbahn. Neben dem Linienverkehr war auch das Anbieten von Ausflugs- und Rundfahrten für Gäste eine lukrative Einnahmequelle. Für Braunlage sind hier der Fuhrunternehmer Carl Buchholz und auch die ehemalige Posthalterei zu nennen, die sich für diesen Zweck komfortable Motor-Wagen angeschafft hatten. Immer mehr gut betuchte Privatleute leisteten sich zudem ein eigenes motorisiertes Automobil. Damit war die Zeit der Pferde-Fuhrwerke und -Kutschen endgültig vorüber. Neue Probleme taten sich damit auf: Straßen mussten asphaltiert, Verkehrszeichen eingeführt sowie Verkehrsregeln aufgestellt werden. In dem Zeitraum bis 1930 wurden so die Grundlagen für unser heutiges Verkehrswesen geschaffen. Dabei war Heinrich Büssing mit der Verwirklichung seiner Vision eines motorisierten Massentransportwagens ein Vorreiter und Mitbegründer. Der topographisch schwierige Harz und auch Braunlage als aufstrebender und nach Transportmöglichkeiten suchender Kurort spielte hierbei eine entscheidende Rolle für die Erprobung, Weiterentwicklung und ständiger Präsens seiner blauen „Büssing-Busse“.


J. Kühnhold
Kulturwart des Harzklub-Zweigvereins Braunlage


Bildunterschriften:

Bild „Bus 1903“:
So sah der erste Motor-Omnibus aus, der die Fabrik Büssing in Braunschweig im Jahr 1904 verließ. Mit einem solchen Gefährt wurden im gleichen Jahr auch Probefahrten nach Braunlage unternommen.

Bild „Heinrich Büssing“:
Heinrich Büssing (1843-1929) in jungen Jahren. Er gilt als einer der wichtigsten Bus-Pioniere der Welt. Sein Weg führte ihn auch mehrfach nach Braunlage, um seine Fahrzeuge zu testen.

Bild „Büssing-Haltestelle Braunlage“:
Die Haltestelle der Büssing-Buslinien in Braunlage war gegenüber der Trinitatis-Kirche. Dort wo noch heute der KVG-Betriebshof ist. Auf der historischen Aufnahme (ca. 1910) sind die 4-ständige Garage und die Abfahrtstafel bemerkenswert.

Bild „Fahrpläne 1910“:
Auf dem Sommerfahrplan 1910 kann man gut die fortschreitende Technologisierung erkennen. Oben der Fahrplan der (Post-)Kutsche, die nach Bad Harzburg nur einmal täglich fuhr und dann über 4 Stunden benötigte. Unten die Busfahrten, die mehrmals täglich in nur 1½ h die gleiche Fahrstrecke bewältigten. Bald danach wurden die Pferdelinien eingestellt.

Bild „Fahrscheine“:
Original Fahrscheine vom Mai 1929. Oben von der KVG-Linie Goslar-Romkerhalle, darunter 2x Reichspost von der Strecke Bad Harzburg – Torfhaus – Braunlage (-Schierke).

Bild „Anzeige Buchholz“:
Auch private Fuhrunternehmer legten sich Büssing-Fahrzeuge zu, um damit Sonder- und Rundfahrten für Gäste anzubieten. Hier eine Anzeige aus dem Jahr 1924 des Braunlager Fuhrunternehmers Carl Buchholz.

Angefügte Bilder:
Bus 1903.jpg   Anzeige Buchholz.paint.jpg   Foto Heinrich Büssing.jpg   Büssing-Haltestelle Braunlage.jpg   Fahrscheine.paint.jpg   Fahrpläne 1910.paint.jpg   Ausflug Torfhaus.jpg   Betriebsausflug mit Chef.jpg   Gegensätze um 1910.jpg   Firmenzeichen.png  
Volka Offline




Beiträge: 3.573

15.02.2010 21:29
#5 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Hallo Jörg,

das war interessant zu lesen! Mir war nie so klar auf welch historischen Linien ich da oftmals mit dem Bus gefahren bin. Und dann früher in den Neunzigern noch der Tarifunterschied zwischen den Bussen der KVG und des Regional Bus Braunschweig (ex Bundesbahn bzw. Post). Das hielt wirklich so lange an?! Heute gilt zum Glück der Nahverkehrsverbund der Region Braunschweig in den meisten Teilen des Oberharz. Wer Pech hat, darf in den Südharz mit dem südniedersächsischen Verbund :-(

Und im Osten - weiß ich gar nicht.

Volker

Reiner Offline




Beiträge: 2.626

15.02.2010 22:04
#6 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Sehr interessant Kuno.
Aber leider ist es die Konkurenz der Eisenbahn.

Beste Grüße Reiner

Ilfelder Offline




Beiträge: 1.178

15.02.2010 22:40
#7 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Hallo!
Auch ich habe mir deinen außerordentlich interessanten Beitrag durchgelesen!
Schön, dasß Du die Festplatte zum laufen gebracht hast...
Wirklich sehr wissenswerte Fakten über den Omnibus in Deutschland an sich, welche ich so noch nicht kannte!
Hat es denn ein Original-Wagen von Heinrich Büssing aus der Zeit um 1904 überlebt? Sicher nicht, oder?
Auf einer Website habe ich Bilder eines Nachbaus mit Golfmotor gefunden.
Gruss Thomas

kuno Offline



Beiträge: 1.248

16.02.2010 07:25
#8 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Zitat von Reiner

Aber leider ist es die Konkurenz der Eisenbahn.



das ist sicherlich korrekt und ich möchte auch nicht abstreiten, dass die (Neben-)Bahn fast immer den Kürzeren ggü. dem Bus zieht, so wie bei unserer geliebten SHE geschehen.
Aber dies ist ja kein reines Eisenbahnforum mehr, sondern ein Forum für Harz (Heimatkunde, geschichte, Wirtschaft) und Harzbahnen. Wie ich von OOK weiß, wünscht er sich durchaus mehr Themen und Zuspruch bei den Nicht-Eisenbahn-Themen in diesem Forum. Da versuche ich zumindest so ein paar Diskussionsgrundlagen zu legen, eventuell stossen dadurch noch andere Mitglieder hinzu.

Aber das Thema Büssing-Bus wurde ja immerhin im Zusammenhang mit der SHE angerissen, siehe ersten Beitrag in diesem Thread. Und wie gesagt, die Busse gehören unweigerlich zu der Harzer Eisenbahngeschichte hinzu, habe sie doch deren Entwicklung maßgeblich -wenn auch nicht unbedingt ins Positive- beeinflußt.

Aber jetzt kommt noch etwas Neues für alle Eisenbahner in diesem Forum. Stickwort "Jüdel" und sein Kurbelwerk.
Ich habe natürlich in meinem Artikel nicht alles über Büssing schreiben können. Wichtig in dessen Werdegang ist noch Folgendes:

1873 Gründung einer Eisenbahn-Signalbau-Anstalt. Max Jüdel, ein jüdischer Braunschweiger Kaufmann, unterstützte ihn mit seinem Geld.
1892 Die Firma Max Jüdel & Co. unter der Leitung von Heinrich Büssing machte zu dieser Zeit gute Geschäfte im In- und Ausland. So wurde in diesem Jahr das 1000. Stellwerk ausgeliefert. Büssing erwarb im Eisenbahn-Signalwesen 92 deutsche Patente.


Büssings Engagement und Leistung für die Eisenbahn-Entwicklung sind unstrittig. Er hat nicht nur Busse entwickelt. Er hat rechtzeitig erkannt, dass neben der Eisenbahn auch andere Transportmittel Zukunft haben. Er war seiner Zeit immer einen Schritt voraus.

Jörg.


Und immer locker bleiben!

kuno Offline



Beiträge: 1.248

16.02.2010 07:30
#9 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Zitat von Ilfelder

Hat es denn ein Original-Wagen von Heinrich Büssing aus der Zeit um 1904 überlebt? Sicher nicht, oder?



Sein erster Lastkraftwagen ist im Deutschen Museum in München zu besichtigen.

Jörg

OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 4.348

16.02.2010 08:39
#10 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Zitat von Reiner
Sehr interessant Kuno.
Aber leider ist es die Konkurenz der Eisenbahn.



Aber ein spannender, hochkarätiger Beitrag zur Verkehrsgeschichte des Harzes.
Dennoch hat Reiner Recht und ich verschiebe das Thema in Kürze in den nichteisenbahnigen Harzteil.

OOK.
Die vierte Harzer Meterspurbahn (BAE) kommt jetzt als Maxi-Buch, auch für Harzfreunde ohne Modellinteresse hochinteressant: https://shop.vgbahn.info/vgbahn/shop/die...bahn-_3723.html
_______________________

AxelR. Offline



Beiträge: 1.505

16.02.2010 15:27
#11 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Gruss aus dem Harz
Axel

Reiner Offline




Beiträge: 2.626

16.02.2010 15:45
#12 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Selbst die NWE hatte einen eigenen Kraftverkehr.
Aber ich glaube das hatten wir schon. Oder ???





Beste Grüße Reiner

kuno Offline



Beiträge: 1.248

16.02.2010 16:34
#13 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Axel,
Danke für diese Links mit den ergänzenden Informationen und vor allem der Bilder.

@Otto und BAE-Team: Diese alten Busse sind doch auch als Modell eine Augenweide. Gibt es eingentlich eine Bus-Anschlußlinie zur BAE? Mindestens Sonnenberg - Clausthal-Zellerfeld (+Altenau) wäre Pflicht.
Also einen schönen Büssingbus der 1930er Jahre am Bahnhofsvorplatz Sonnenberg drapieren. Mit Skianhänger und einer Gruppe Wintersportler als Fahrgäste. Das wäre doch was für den stimmigen Gesamteindruck!

Jörg

OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 4.348

16.02.2010 17:20
#14 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Zitat von kuno
Aber dies ist ja kein reines Eisenbahnforum mehr, sondern ein Forum für Harz (Heimatkunde, geschichte, Wirtschaft) und Harzbahnen. Wie ich von OOK weiß, wünscht er sich durchaus mehr Themen und Zuspruch bei den Nicht-Eisenbahn-Themen in diesem Forum.


So ist es.

Zitat
1873 Gründung einer Eisenbahn-Signalbau-Anstalt. Max Jüdel, ein jüdischer Braunschweiger Kaufmann, unterstützte ihn mit seinem Geld.
1892 Die Firma Max Jüdel & Co. unter der Leitung von Heinrich Büssing machte zu dieser Zeit gute Geschäfte im In- und Ausland. So wurde in diesem Jahr das 1000. Stellwerk ausgeliefert. Büssing erwarb im Eisenbahn-Signalwesen 92 deutsche Patente.


Der Zusammenhang war mir unbekannt. Hochinteressant.

OOK.
Die vierte Harzer Meterspurbahn (BAE) kommt jetzt als Maxi-Buch, auch für Harzfreunde ohne Modellinteresse hochinteressant: https://shop.vgbahn.info/vgbahn/shop/die...bahn-_3723.html
_______________________

kuno Offline



Beiträge: 1.248

17.02.2010 22:05
#15 RE: Büssing Bus in Bhf Braunlage antworten

Axel hatte das Stichwort "Autobuskrieg" erwähnt.
Dieser Vorfall ist hochinteressant und spannend. Zeigt es doch die Auswüchse der damaligen Kleinstaaterei. Ich hatte ja kürzlich die Karte der Harzterritorien hier im Forum gezeigt. Das Land Braunschweig, zu dem Braunlage gehörte, bekam Ärger mit der damals sich entwickelnden Reichspost (spätere Bahnbusse) wegen paralleler Buslinien. De Harz war früher in Sachen Verkehr heiß umkämpft.
Im Folgenden findet ihr einen weiteren von mir geschriebenen und vor einigen Jahren veröffentlichter Bericht. Die Bilder stammen übrigens vom meinem Großvater, der auch auf den Bilder als Postschaffner zu sehen ist.
Viel Spaß beim Lesen.

Jörg

Der „Braunlager Autobuskrieg“ der Omnibus-Gesellschaften
Als 1921 einem Postbus die Fahrt nach Elend untersagt wurde, gab es große Aufruhr


Der öffentliche Personennahverkehr im Oberharz beschränkt sich heute nur noch auf die Bedienung durch Busse. Eisenbahnlinien gibt es außer den Harzer Schmalspurbahnen, welche mehr dem touristischen und musealen Zweck dienen, im Zentrum unseres Mittelgebirges keine mehr.
In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts befuhren auch schon Omnibusse solche Strecken, welche nicht parallel durch die Eisenbahn bedient wurden. Gerade hier im steigungsreichen Gelände konnte meist nur der Bus die öffentliche Verbindung zwischen den Orten sicherstellen.
Schon früh im Jahre 1909 richtete die Braunschweiger Firma Büssing eine Linie zwischen Bad Harzburg und Braunlage ein. Die ersten Fahrzeuge waren offene Wagen mit Karbidbeleuchtung und Andrehkurbel. Sie waren noch nicht sehr verkehrssicher, Verspätungen von einer Stunde kamen oft vor. Bei Nebel fiel der Wagen sogar ganz aus. Man fuhr auch nur in den Sommermonaten. Viele Reisende bevorzugten daher noch die Postkutsche, die bis zum Jahr 1920 zwischen Bad Harzburg und Braunlage verkehrte und auch die offizielle Postbeförderung wahrnahm. Alte Braunlager erinnern sich eventuell noch daran, wie der Postillion bei seiner Abfahrt in Braunlage auf seinem Postkutschersitz kräftig ins Horn stieß. Seine Reise ging aber nur bis Torfhaus, dort mussten Fahrgäste und Post in die Harzburger Kutsche wechseln.

Der Nachfolger der Firma Büssing wurde die Kraftverkehrsgesellschaft Braunschweig (KVG), die noch heute große Teile des Harzes mit den von Ihr bedienten Strecken und Sonderfahrten prägt. Vom Charakter her war diese Gesellschaft ein öffentlich-kommunales Unternehmen des souveränen Herzogtums Braunschweig, in dessen Hoheitsgebiet Braunlage oder auch Bad Harzburg lagen. Unsere Nachbarorte Elend und St.Andreasberg dagegen waren preußisch, quasi für uns Ausland.
Als der wachsende Tourismus mit seinem Linien- und Ausflugsverkehr den Busgesellschaften im Harz immer größere Fahrgastzahlen bescherte, weitete man die Verbindungen ständig aus.
Dabei kam es auch zu Streckenführungen in die benachbarten Länder, so z.B. nach Schierke.

Zu einem großen Konkurrent der KVG wurde erstaunlicherweise die Deutsche Reichspost. Dieses staatliche Unternehmen fuhr im gesamten Reichsgebiet und machte nicht vor den Grenzen der Kleinstaaten halt. Hier im fahrgaststarken Harz wollte es ebenfalls seine Präsenz ausdehnen. Angefangen hatte es im April 1920, als die Post die Postkutsche einstellte und die Route Bad Harzburg – Braunlage, so wie schon länger die KVG, mit motorbetriebenen Bussen befuhr. Die KVG hatte in den Jahren davor wohl ein wenig mitleidig die altertümliche Kutschenbeförderung des Konkurrenten belächelt. Als nun die neuen gelben Busse fuhren und die Reichspost auch plante, die ebenfalls bereits von der Kraftverkehrsgesellschaft befahrene Strecke Braunlage – Elend – Schierke mit zu bedienen, eskalierte der Streit. Mit Unterstützung der Regierung in Braunschweig untersagte die KVG daraufhin der staatlichen Post die Personenbeförderung auf den Straßen des Landes.

Ein ungeheurer Vorfall, der Braunlage deutschlandweit in die Schlagzeilen der Presse bringen sollte!
Denn um diese Entscheidung durchzusetzen und um den Ernst des Verbotes zu unterstreichen, wurde am Mittwoch, den 25. Juni 1921 dem Postbus die Abfahrt in Braunlage nach Elend verwehrt. Dazu war eigens ein bewaffnetes Aufgebot der Schutzpolizei aus Braunschweig unter Leitung eines Polizeioffiziers in zwei grauen Autos erschienen. Sie hatten angeblich einen Befehl des braunschweigischen Justizministers in der Tasche, die Fahrt des gelben Busses zu unterbinden. Die Fahrgäste sollten zu Fuß bis zur ca. 1,5 km entfernten Territoriumsgrenze zu Preußen, den das Flüsschen Bremke östlich von Braunlage bildete, laufen, um erst dort in den Bus einzusteigen.
Eine hundertköpfige Menschenmenge umringte auf dem Platz am „Braunen Hirsch“ wie eine Schutzmauer den Bus. Überwiegend waren es Arbeiter und Dienstmänner, während die vornehmeren Kurgäste neugierig die Bürgersteige säumten. Fotografen erschienen und ein weiterer großer gelber Postbus. Verwirrung machte sich breit. Fahrgäste, die nach Elend und Schierke wollten, drängten in diesen Bus. Plötzlich ertönte dessen Hupe und er fuhr ungehindert los. „Freie Fahrt den Mutigen!“ hörte man. Die Polizei fühlte sich überrumpelt und wollte dem Bus am Ortsausgang auflauern. In Schlangenlinien fahrend versuchten sie ihm auf der Elbingeröder Straße den Weg zu versperren. Vergeblich, gegen den großen Bus hatten die kleinen Polizeiwagen keine Chance. Er passierte schließlich die Grenze – die aufgewandte Kraft der Staatsorgane verpuffte ruhmlos.

„Reichsauto wird angehalten!“ und „Braunlage hat die Kleinstaaterei noch nicht überwunden!“ titelten die Zeitungen damals.

Tatsächlich war die Angelegenheit prekär. Hatte doch die neue Reichsverfassung ausdrücklich geregelt, dass der öffentliche Personenverkehr nicht dem Reiche, sondern den Ländern zustand. Die KVG hatte eigens eine Konzession für die Linie Braunlage – Elend erworben. Dass die Reichspost nunmehr auf diese Verbindungen drängte, konnte nur mit dem Ziel geschehen, die regionalen Gesellschaften zu ruinieren. Hätte doch das staatliche Unternehmen den finanziell längeren Atem gehabt, einen ruinösen Wettbewerb auf einzelnen Linien durch zu stehen. Dazu kam, dass die Reichspost bisher noch nie Abgaben an den Braunschweiger Staat entrichtet hatte, um damit Wegebau und Reparaturen an den mitbenutzten Straßen zu finanzieren. Eine Steuer, die die KVG aber jährlich mit 72.000 Mark bezahlte.
Den staatlichen Organen des Landes Braunschweig konnte man für den Versuch, das Fahrverbot in Braunlage durchzusetzen, dankbar sein. Denn mit diesem Schritt wurde ein reichsweites Zeichen gesetzt, dass die Länder auf ihr Recht zur Durchführung des Personenverkehrs auf ihren Straßen und ihrem Hoheitsgebiet festhalten würden.

Die Beteiligten mussten sich gemeinsam an einen Tisch setzen, um die Angelegenheit zu regeln. Am 22. August 1921 trafen sich in Bad Harzburg Vertreter der Staatsregierungen von Braunschweig, Preußen und dem Reich, um über die Zukunft des Kraftverkehrs zu beraten. Man stellte fest, dass der Reiseverkehr im Harz ständig zunähme und kaum mehr allein zu bewältigen sei. Der Bedarf nach mehr Verkehr sei zweifelsohne da. Somit könnten auch verschiedene Gesellschaften, die Linien parallel bedienten, überleben.
Leider pochten in den Verhandlungen beide Seiten weiterhin auf Ihre Rechte: Die Reichspost erklärte, dass Sie gemäß Postgesetz von 1871 nicht verpflichtet sei, sich an den Straßenunterhaltskosten zu beteiligen. Der braunschweigische Minister Antrick wiederum erwiderte, dass seine Regierung in diesem Punkt keinesfalls nachgeben und den Kampf gegenüber der Reichspost weiterhin mit schärfsten Mitteln führen werde.
Eine Einigung wurde somit nicht erzielt. Zu weiteren Zwischenfällen ist es aber in der Folge wohl nicht mehr gekommen. Der Konflikt wurde schließlich nur noch auf politischer Ebene ausgetragen.

Die Verkehrsgesellschaften hatten in der Zwischenzeit bessere Fahrzeuge eingeführt, um die Bedürfnissen der Gäste zu befriedigen und um den Massen an Fahrgästen Herr zu werden. Größere Fahrzeuge mit Ballonreifen fuhren nun auch im Winter. Dazu mussten KVG und Post eigene (damals noch eher primitive) Schlepp-Schneepflüge einsetzen, um ihren Bussen die Fahrt überhaupt zu ermöglichen. Erst später wurden die neu eingeführten Straßenbauämter mit diesen Aufgaben betraut.

Im Jahr 1926 weiteten sich die Konkurrenz-Probleme nochmals aus, als diesmal die Vertreter der Privatbahnen auf einer Sitzung in Wernigerode die Konkurrenz von Reichspost und KVG kritisierten. Sie stellten sogar die Forderung auf, die Buslinie Harzburg – Braunlage – Schierke aufzugeben, damit sie der Harzquer- und Südharzeisenbahn nicht weiterhin die Fahrgäste nach Braunlage und Elend/Schierke wegnehmen könnten.

Erst 1927 gelang es, Frieden in die ganze Angelegenheit zu bringen. In Berlin wurde ein Vertrag geschlossen, in dem festgelegt wurde, dass die verschiedenen Verkehrsgesellschaften friedlich zusammenarbeiten sollten. Eine Verbesserung und Abstimmung der Fahrpläne sowie die Verbilligung der Tarife mit dem Ziel, den Verkehr zu mehren, waren die Hauptpunkte der Vereinbarung. Es kam zwischen KVG und Kraftpost zu einer Kooperation, die viele Jahrzehnte anhielt. Damit wurde ein Konflikt gelöst, der sich 6 Jahre hinzog und Braunlage in die Schlagzeilen der deutschen Presse brachte.

Heute im Zeichen des ständig zunehmenden Individual-Verkehrs mit dem eigenen PKW kann man über die damaligen Ereignisse nur schmunzeln. KVG und Post haben sich schließlich bis in die 1980er Jahre hinein die Bedienung der Strecke Bad Harzburg - Braunlage zusammen mit den Verkehrsbetrieben Bachstein friedlich geteilt. Heute fährt hier nur noch die KVG.
Die Linie Braunlage – Elend wurde nach der Wiedervereinigung von KVG und den Wernigeröder Verkehrsbetrieben (WVB) gemeinsam befahren, bis vor rund zwei Jahren die KVG aus dieser Partnerschaft austrat.
Aus Kostengründen ist heute auf den Buslinien im Harz nur noch für einen Betreiber Platz.
Konflikte wie 1921 werden sich daher wohl nicht mehr wiederholen.

J. Kühnhold, veröffentlicht 2008 in "Braunlager Zeitung"


Fotos:
Fahrpläne der parallel fahrenden konkurrierenden Busgesellschaften
Bilder vom Platz am Braunlager Brunnen, wo Polizisten das reichspostauto anhielten und an der Weiterfahrt hinderten
Bilder von späteren Büssing-Bussen der reichspost auf der Linie Bad Harzburg - Braunlage - Schierke

Angefügte Bilder:
Fahrplan.paint.jpg   Foto Richtung Elend.jpg   Foto Tumult,paint.jpg   Foto Bus Straße.jpg   Foto Bus Wasserfall.jpg  
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