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Dieses Thema hat 55 Antworten
und wurde 11.045 mal aufgerufen
 Adventskalender
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Volka Offline




Beiträge: 3.712

30.11.2008 18:22
Adventskalender 2008 antworten
Liebe Forumsmitglieder und Gäste,

dies soll der Adventskalender 2008 des Harzbahn-Forums sein. Die Idee ist, dass jeden Tag bis Weihnachten ein neuer, kleiner Beitrag hier eingestellt wird. Wer einen Beitrag einstellen möchte, schreibe mir bitte vorher hier eine Nachricht, ich werde ihm dann einen Termin geben. Bitte keine Beiträge ohne vorherige Rücksprache einstellen! Antworten auf einen Beitrag sind jedoch erlaubt. Dabei bitte darauf achten, dass auf genau den Beitrag genatwortet wird und nicht auf die letzte Nachricht hier, welche eventuell schon der Beitrag für den nächsten Tag ist. Um den Überblick zu behalten klickt bitte auf die Button FLAT und THREADED , um den Unterschied zu verstehen. Ihr findet sie oben rechts. Weitere Details findet Ihr hier.

Es fehlen übrigens noch ein paar Teilnehmer. Weitere sind also herzlich eingeladen noch mitzumachen. Eine besondere Einladung geht natürlich auch an die, welche neu dabei sind oder bisher nur mitgelesen haben.

Euch allen eine schöne Vorweihnachtszeit!

Volker
grüner Offline




Beiträge: 757

01.12.2008 05:41
#2 1. Dezember antworten
1. Dezember

Weihnacht der Lokomotiven

Es ist der 24. Dezember, das Land liegt tief verschneit jeder Baum, jeder Strauch auch die Wiesen und Felder sind eingehüllt unter einer weissen Decke Schnee. Frost bildet die schönsten Kristalle die im Mondschein edel glitzern.
Der Tag neigt sich dem Ende und der letzte Zug der Bahn kommt in den Bahnhof Gernrode gedampft. Dort steigen nur wenige Fahrgäste aus und das Personal beeilt sich die notwendigen Arbeiten so schnell wie möglich zu erledigen. Im Lokschuppen warten sehnsüchtig die 47 und die 21 auf ihre Kollegin die 6.
Die 6 wird versorgt und dann zu ihren Schwestern in den Lokschuppen gestellt, Lokführer Reglerknecht und Heizer Schaufelstiel schliessen nach getaner Arbeit die Schuppentore und gehen zu ihren Lieben nach Hause um das Weihnachtsfest zu feiern.
Eigentlich ist alles so wie jede Weihnacht, Ruhe zieht ein auf dem Bahnhof .....
Nein, diese Weihnacht wird anders !!
Die Ruhe trügt, im Lokschuppen stehen die 3 schwarzen Lokomotiven eng beieinander und unterhalten sich, jede von Ihnen schwelgt in Erinnerungen an längst vergangene Tage.
Die 47 als Jüngste der Schwestern hat es besonders schwer, ihre „ grossen Zeiten „ scheinen vorbei zu sein und sie lauscht jeden Abend gespannt auf die Abenteuer welche ihre älteren Kolleginnen Tag für Tag erleben dürfen. Einmal ist die 21 auf einen Geröllberg aufgefahren und andermal hat sie einfach so einen Traktor umgeschuppst.
Was die 47 noch nicht weiss, die 21 und die 6 haben sich schon vor Tagen Gedanken gemacht wie sie ihrer grossen Schwester eine riesengrosse Weihnachtsüberraschung bereiten können.
Wie wir alle wissen, fristet die 47 ein eher jämmerliches Dasein, recht verschmutzt, verrostet und einiger Bauteile entledigt steht sie hinten im Schuppen und traut sich nicht in die Öffentlichkeit. Lang ist es her das ein loderndes Feuer ihre Feuerbüchse erwärmte und der Dampf in ihren Zylindern den Zug in Bewegung setzte. Jeden Tag blickt sie voller Wehmut ihren Schwestern hinterher wenn sie Richtung Osterfeld das Gernröder Terrain verlassen und eine lange Rauchfahne hinter sich herziehen.
Wie gern würde sie es Ihnen gleichtun .... aber das Feuer ist aus, der Kessel leer.
Als die Nacht hereinbricht wird die 6 unruhig, langsam rollt sie zum Schuppentor und schaut heraus, erst nach Links dann nach Rechts ..... die Luft ist rein flüstert sie der 21 zu. Und nun rollen die 2 Loks langsam an die 47 heran und ziehen sie vorsichtig aus dem Schuppen. Sie sind sehr behutsam, weil die 47 schon seit Jahren keinen Schritt mehr aus dem Schuppen getan hat.
Aber nun hat´s ein Ende mit der Rumsteherei !!
Nun geht sie ab, die Fahrt der 3 Schwestern durch den Weihnachtswinterwald.
Ein kurzer leiser Pfiff die 21 vorne und die 6 hinter der 47 dampfen sie leise aus dem Bahnhof Gernrode Richtung Ramberg.
Lokführer Reglerknecht beim Weihnachtsessen sitzend meint doch tatsächlich den Auspuffschlag der 21 gehört zu haben, aber Alle beruhigen ihn ... das kann nicht sein, deine Loks stehen friedlich im Schuppen .....
Kurz hinter dem Osterteich geht es schon stark bergan und die 21 zieht vorn aus Leibeskräften, die 6 stemmt sich mit aller Kraft gegen die 47 und so schaffen es die beiden ihre Grosse auf den Berg hinaufzubugsieren. Die 47 kann es kaum glauben das sie nun, zwar nicht aus eigner Kraft aber dennoch rollend, ihre alte Strecke abfahren kann.
Froh gelaunt mit ein paar Pfiffen dampft das Dreigespann durch die Weihnachtsnacht in den Orten lassen sie es sich nicht nehmen ihre Läutewerke anzustellen und jeder der es hört wundert sich, aber es ist Weihnacht und da kann es schon mal Läuten.
Nach einer fröhlichen Tour bis Stiege drehen sie wieder um und beeilen sich wieder in den Schuppen zu kommen ... nicht das Jemand noch was merkt.
Die 47 kann ihre Freude kaum zurückhalten und ein paar Tropfen Kesselwasser laufen ihr aus den Zylindern, ..... Danke euch ihr lieben Schwestern .... sagt sie leise bevor sich alle zur Ruhe begeben.

Zur Weihnacht gehen Träume manchmal in Erfüllung ........


Besinnlicher Pfiff aus dem Tal
René

OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 4.750

01.12.2008 22:26
#3 2. Dezember antworten

Der Schnee ist im Harz leider schon wieder weitgehend geschmolzen, zur Zeiten der Südharzbahn jedoch lag um diese Zeit immer viel Schnee.

Ich wünsche euch allen eine gute Adventszeit.

OOK.
Die vierte Harzer Meterspurbahn (BAE) gibts jetzt als Maxi-Buch, auch für Harzfreunde ohne Modellinteresse hochinteressant: https://shop.vgbahn.info/vgbahn/shop/die...bahn-_3723.html
_______________________

Ilfelder Offline




Beiträge: 1.183

02.12.2008 00:05
#4 RE: 1. Dezember antworten

Guten Abend ! Tolle Adventsgeschichte, als Einstand vom Adventskalender, da hatte meine Tochter (und ich auch etwas) sogar Tränen in den Augen, so rührend hast Du das geschrieben! Wünschen wir der 47 mal, das sich ihre Räder irgendwann mal wieder aus eigener Kraft bewegen.
Gute Nacht, Thomas

Alex Offline



Beiträge: 4

02.12.2008 15:19
#5 RE: 1. Dezember antworten

Da kommt man richtig in Weihnachtsstimmung.
Eine wirklich schöne Geschichte, die einen nur hoffen lassen kann, dass die 47 einmal wieder Tageslicht erblickt.

Lutterberger Offline




Beiträge: 27

03.12.2008 07:19
#6 3. Dezember antworten

Hallo, liebe Forumsgemeinde,
ich führe euch heute am 3. Dezember nach Niedersachswerfen in den Schnee. Das Bild ist zwar nicht von diesem Jahr, aber was soll es. Der schöne T1 in vorweihnachtlicher Stimmung, das macht uns doch .



Bleibt zu hoffen, dass, wenn Weihnachten näher rückt, auch in Niedersachswerfen und auf der ganzen HSB wieder mehr Schnee sein wird.
alles Gute.
Es grüßt der Exil-Harzer
Lutterberger

schmalspurloethi Offline



Beiträge: 613

03.12.2008 23:46
#7 4. Dezember nicht mit Winter aber mit Schmalspurbahn antworten
Dieses Adventskalenderblatt hat nichts mit der Jahreszeit und ihrer Romantik zu tun. Aber es bleibt beim Thema, den Schmalspurbahnen im Harz.
Einer der Höhepunkte meiner Beschäftigung mit Eisenbahn und Modellbahn war das 100jährige Jubiläum der GHE. Zum Beginn des Jahres 1986 reiften Pläne der damaligen AG 7/16 Halberstadt des DDR-Modellbahnverbandes, ein Selketalbahn - Motiv im Maßstab 1:87 nachzubilden. Das 100 jährige Jubiläum der Eröffnung des ersten Abschnittes der GHE stand im August 1987 bevor. Zu diesem Anlaß wäre die Fertigstellung einer zur „Jubilarin“ passenden Schmalspuranlage gerade recht. Der AG - Vorsitzende knüpfte Kontakte zu den Organisatoren des Modellbahnteiles der Jubiläumsfeierlichkeiten. Wir wurden dort mit offenen Armen empfangen. Bei der Suche nach einem geeigneten Anlagenmotiv fiel die Wahl auf den Bahnhof Mägdesprung. Der wöchentlich Treff der AG fand Mittwochs statt. An einem dieser Mitwoche, es muß im Mai 1986 gewesen sein, beschloß der harte Kern des „Mägdesprung“ -Teams, das Vorbild zu besichtigen und zu fotografieren. Der Trabbi unseres Vorsitzenden (viereka übrigens) brachte uns in flotter Fahrt in den Harz hinauf. Bei der Verfolgung der 95 027 auf der Rübelandbahn hatte er ( nicht der Trabbi ) seinen Fahrstil vervollkommnet, sodaß wir die Strecke Halberstadt - Mägdesprung in erstaunlich kurzer Zeit hinter uns brachten. Leider war das Wetter grau und trübe. Beim Betrachten und Fotografieren der Details störte das jedoch nicht. Anhand dieser Fotos und einiger weniger abgenommener Maße wurden die Gebäude gebaut. Die Wohngebäude unterhalb des Bahnhofes entstanden durch Umbau aus handelsüblichen Bausätzen. Auf das große Mehrfamilienhaus wurde verzichtet. Ein Gebäude wurde verkürzt nachgebaut. Insgesamt war des Ensemble der Gebäude im und am Bahnhof Mägdesprung durchaus gelungen. Eine kleine Episode aus der Ausstellung in Gernrode unterstreicht das. Ein Besucher bemängelte, daß am Ladegleis die Gleissperre fehlte. Er müsse das wissen, da er in der Gleisbaurotte auf der Selketalbahn arbeite. Der Mann hatte recht, denn ich bekam nicht mehr alle Lehmann - Teile für ein derartiges Modell. Herr Lehmann fertigte unter großen Schwierigkeiten in Kleinserie unter anderem einen solchen Bausatz. Außerdem, so meinte der Besucher, sei ein Schornstein auf einem der Gebäude dort nicht richtig. Ich beharrte darauf, daß alles dargestellte auch der Realität entspräche, worauf mir entgegnet wurde schließlich wohne sein Bruder dort. Wie versprochen rückte der Mann an letzten Ausstellungswochenende mit der ganzen Familie inklusive Bruder an. Nach kurzer Betrachtung stellte dieser fest, daß der Schornstein durchaus an der richtigen Stelle wäre. Es sei der Badschornstein. Da war ich dann doch recht stolz. Ein echter Gag war übrigens die Nachbildung der Selke. Das Wasser entstand aus farblosen Bootslack. Nicht alles blieb im Modell - Bachbett. Das aber, was dann darin aushärtete sah so realistisch aus, daß immer wieder prüfende Finger testeten, ob es sich um echtes Wasser handelt.
Mit dem 100jährigen der GHE verknüpfen sich für mich viele Erinnerungen und es gab auch mehr als diese eine Episode. Vielleicht kann ich sie ja später mal zum Besten geben.

Gruß Henning
Angefügte Bilder:
badschornstein.jpg  
viereKa Offline



Beiträge: 513

04.12.2008 08:55
#8 RE: 4. Dezember nicht mit Winter aber mit Schmalspurbahn antworten
Hallo,
eine kleine Ergänzung zu dieser Anlage.
Hinter ihr befand sich ein großer Schattenbahnhof, der teilweise als Ablagemöglichkeit genutzt wurde. So z.B. auch für die Frühstücksgetränke , -brötchen und das Gehackte. Damit mußten die kleinen Fahrzeuge immer um das Essen fahren.
Das ergab natürlich ein putziges Bild:
1 Haufen aus 1 Kg Gehackte, Bierflaschen und z.B. der T1-H0m-Triebwagen.
Leider ist dies auf nachfolgendem Bild nicht so gut zu erkennen.

cu
Hans-Jürgen

PS.:
Andeutungen zu meinem Fahrstil weise ich von mir. Es wurden jederzeit die Geschwindigkeitsbegrenzungen eingehalten
und hier noch eines der (leider) seltenen Bilder von der Anlage
Stefan Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 131

05.12.2008 06:10
#9 5. Dezember antworten

Willst Natur Du pur genießen
Dort wo klare Bäche fließen
Wandern über Berg und Höhn
Am Horizont den Brocken sehn
Einkehr halten, fröhlich sein -
Dann komm her,
nach Benneckenstein!


Der Luftkurort Benneckenstein ist die höchstgelegene Stadt Sachsen-Anhalts und hat mit Max Schmeling einen berühmten Ehrenbürger.



Aus Harzbahner-Sicht ist natürlich der HSB-Bahnhof mit Museum von Interesse.

Für Eisenbahnliebhaber und Freunde der Dampftechnik lohnt sich ein Besuch im Benneckensteiner Bahnhofsmuseum.
Dort erfahren sie viel Wissenswertes über die Geschichte der 1899 eingeweihten Harzer Schmalspurbahn. (ehem. „Nordhausen-Wernigeroder-Eisenbahn“)
Neben einer umfangreichen Sammlung von Gebrauchs- und Betriebsgeräten, Dokumenten und historischen Fotos erwartet Sie auch eine handbetriebene Schrankenanlage und ein Fahrzeugpark u.a. mit 2 alten Dampfloks.


Bei einem kurzen Spaziergang kommt der Besucher an einem aus (Dampf-) Eisenbahnersicht sehr interessanten Gedenkstein nebst Tafel vorbei.





Wilhelm Schmidt (Heißdampf-Schmidt) hatte seit 1908 seinen Firmensitz in Benneckenstein. Viele Detailerfindungen von Wilhelm Schmidt, wie zum Beispiel der Schmidt-Überhitzer (um 1890) oder der Kolbenschieber, den er zusammen mit Robert Garbe von der Preußischen Staatseisenbahn entwickelte, brachten die Technik der Heißdampfmaschine zur Perfektion.

Bilder selbst fotografiert. Text von Benneckenstein Homepage,
Wikipedia und selbstverfasst.

Fröhliche Weihnachten
Stefan

Volka Offline




Beiträge: 3.712

05.12.2008 23:35
#10 6. Dezember antworten
Der Umlaufplan der Motorsäge

Es hieß, es würden Dieselloks kommen und zwar viele. Erste Bilder zweier Exemplare gab es schon zu sehen und es würde bald eine Epoche zu Ende gehen. So beschloßen mein kleiner Bruder und ich im Oktober in den Harz zu fahren, um vor dem Ende nochmals die Dampfloks dort zu besuchen. Wir suchten uns den Januar aus in der Hoffnung viel Schnee mit Dampf erleben zu können. Es kam dann aber überraschend das Ende einer anderen Epoche.

Wir wohnten in einem Hotel in Wernigerode und waren immer schon früh am Bw, um das Vorbereiten der Loks zu beobachten und dann mit dem ersten Zug in den Harz zu fahren. Schnee gab es keinen, aber dafür viel verhangenen Himmel mit Regen bei Temperaturen knapp über null Grad. So kehrten wir Abends oft verfroren und nass mit dem letzten Zug zurück und waren froh, weil der Zug meist sehr gut beheizt war und trotz des Wetters ein ereignisreicher Tag hinter uns lag.

Die letzte Nacht war sehr stürmisch gewesen und als wir morgens das Hotel verließen, schneite es. Wir trabten etwas missmutig zum Bahnhof Westerntor, um den Zug nach Schierke zu nehmen. Warum musste es ausgerechnet am Abreistag endlich schneien! Anschließend wollten wir nach Nordhausen weiterfahren, um den neuen Übergang bei Ellrich und Walkenried auch für uns einzuweihen. Später am Abend ging es noch über Herzberg und Seesen nach Bad Harzburg, wo wir uns dann noch mit Freunden für das Wochenende treffen wollten. Was für eine Reise für 20 km!

Auf dem Weg zum Westerntor-Bahnhof hörten wir Gebimmel und Gepfeife weiter oben im Tal und auch vor uns. Wir waren zwar früh dran, aber es schien, dass der Frühzug ab Benneckenstein stark verspätet war und das deswegen der erste Zug nach Nordhausen auch später den Harz erklomm.

Am Bahnhof angekommen kauften wir unsere Fahrkarten. Der Güterzug nach Benneckenstein erschien nun - auch später - hielt an und fuhr kurz darauf wieder ab. Bisher waren nur Dampfloks unterwegs gewesen und auch unser Zug, der nun kam, hatte eine davor: Glück gehabt! Oft hatten wir auf unser Tour schon Diesel erlebt (Heute bin ich froh dennoch fotographiert zu haben). Beim Einsteigen bemerkte ich wie Eisenbahner mit einem Handkarren erschienen und etwas in den Gepäckwagen verluden.

Die Fahrt ging los und obwohl wir in den Tagen zuvor auch schon immer auf einer Plattform standen, um die arbeitende Maschine zu beobachten und auch alle anderen Eindrücke zu genießen, standen wir wieder dort auf dem dritten Wagen. An diesem Tag war es anders! Die Dämmerung kam auf, der Schnee machte alles viel heller, die Flocken tanzten, die Stille im Neuschnee und das Flackern des Lichts beim Feuern im Führerstand war alles wundervoll schön zu erleben. Dann das Fehlen jeglichen Rummels, denn der Zug war eher leer, tat ein übriges.

In Drei Annen Hohne blieb nun der Schnee auch richtig liegen und die Lok nahm wie gewohnt Wasser. Ab hier wurde es spannend, denn bisher waren wir noch nie nach Schierke gefahren. Es ging los, weiter mit Volldampf bergan und der Charakter der Umgebung begann sich leicht zu wandeln. Es wurde teilsweise lichter, Bäume wurden knorriger und an Seiten erschienen felsige Brocken, die sich auftürmten oder wild herumlagen. Plötzlich bremste der Zug stark. Wir sahen nach vorne und dort lag ein Baum auf den Schienen. Als wir noch "was nun" dachten, war schon der Zugbegleiter vorne, schmiß eine Kettensäge an, man hörte sie schrill arbeiten und kurz darauf flog der zersägte Baum von den Gleisen. Wir fuhren weiter und kurz darauf wiederholte sich das Schauspiel noch einmal.



Die Lok lief in Schierke um und wir standen wenige Minuten bibbernd neben der Maschine, die vor sich hinzischte, Wärme ausstrahlte und íhr loderndes Feuer vom Führerstand wiedergab. Kurz darauf rollerten wir zurück nach Drei Annen Hohne, wo wir in den zweiten Zug nach Nordhausen umstiegen. Dort luden Eisenbahner was aus unserem Gepäckwagen aus: Es war die Kettensäge. Sie kam mit auf den Nordhäuser-Train.

In Benneckenstein angekommen, begegneten wir wieder den Güterzug, der für die Rückfahrt bereit stand. Es war Lokwechsel mit ihm und Wassernehmen angesagt. Hier verließ auch die Kettensäge unseren Zug, um wohl dem Dienstschluss in Wernigerode entgegen zu fahren. Auf dem folgenden Abschnitt würde sie wohl nicht mehr gebraucht werden. Es kam jedoch anders. Vor Tiefenbachmühle lag ein Baum im Gleis. Dieser muss nach dem Passieren des ersten Zuges noch umgefallen sein. Nun würde es nicht so leicht werden, denn die Kettensäge war ja auf dem Weg heim ins Depot. Was nun?



Wir standen nun schon länger und viele Fahrgäste hatten inzwischen mitbekommen, das irgendetwas nicht stimmte. Man traf sich vor dem Zug, wo die Zugmannschaft nun mit einer Axt versuchte die Strecke zu räumen. Eine sportliche Betätigung an der sich auch ein paar heimkehrende NVA-Soldaten beteiligten, die überraschend schnell entlassen wurden waren. Es dauerte nun eine Viertelstunde bevor es weiterging.

Eisfelder Talmühle, der nächste Wasserhalt und inzwischen kein Schnee mehr. Auch fuhren von hier noch Güterzüge von Nordhausen kommend weiter das Behretal hoch nach Stiege. In den Tagen zuvor waren wir öfters dort gewesen. Hoffnung einen davon zu sehen hatten wir nicht. Sie hätten schon vorher durch sein müssen. Aber es stand eine Nordhäuser Güterzuglok alleine da und wartete auf Weiterfahrt nach unserem Zug. Sie muss die erste an diesem Tag gewesen sein, die das Tal hochfuhr und offenbar hatte das Zugpersonal die dort durch den Sturm geknickten Bäume nicht immer rechtzeitig erkannt. Es lag eine Lampe mit kaputtem Glas auf dem Umlauf und an der Front war Tannnengrün verteilt. Auf ihrer Strecke waren erheblich mehr Bäume umgeweht worden. Als ich Monate später das Tal wieder hochlief, waren Hänge leer und auf den ehemals leeren Wegen kroch ich durch die noch liegenden Bäume. Das Personal der 99 7233 hätte die Kettensäge wohl mehr gebraucht als wir.



Harz, wie ich ihn auch kenne: Nass, kalt und ungemütlich. Aber wenn man im Zug an der warmen Heizung sitzt, ab und zu auf der Plattform rausguckt und die Ausblicke und die Geräusche genießt, so ist das wahrlich schön für mich, schöner als im vollen Zug im Sommer auf den Brocken zu fahren. Ich wünsche Euch allen ein schönes, gemütliches zweites Adventwochenende!

Euer

Volka
Reiner Offline




Beiträge: 2.823

06.12.2008 19:39
#11 RE: 6. Dezember antworten

Hallo Volker,
das kommt mir verdammt bekannt vor. Vor solch einer Situation stand ich auch. Schreib mir mal das Datum und ich sage Dir ob ich den Zug nach Nordhausen gefahren habe oder nicht. Es wird ja wohl der 14401 oder 14403 gewesen sein.
LG Reiner

Beste Grüße Reiner

Volka Offline




Beiträge: 3.712

06.12.2008 21:46
#12 RE: 6. Dezember antworten

Hallo Reiner,

es war der P14403 und höchst wahrscheinlich war es der 23. Januar 1990. All die Dias meines Bruders und von mir liegen woanders, so dass ich Dich nicht auf die Schnelle auf den anderen Bildern suchen könnte. Der Herr, der auf dem zweiten Bild jedenfalls Holz hackt, könnte von der Statur her Jürgen sein.

Grüße

Volker

Reiner Offline




Beiträge: 2.823

07.12.2008 00:30
#13 RE: 6. Dezember antworten

Brauchst nicht suchen Volker ich war es doch nicht, denn ich war im Januar 1990 im Lokwirtschaftsbüro und bin nicht gefahren. Aber an der gleichen Stelle hatte ich mindestens 2 mal ähnliches erlebt. Und natürlich auch an vielen anderen Stellen. Das war manchmal ganz schön schlimm mit dem Windbruch. Einmal brauchte ich 4 Std von Drei Annen Hohne bis Hasserode. Eisregen auf Schneebedeckte Bäume und Wind ließen die Bäume brechen wie Streichhölzer. Wir sind nur noch von Baum zu Baum geschlichen.
LG Reiner

Beste Grüße Reiner

Nico2 Offline


BAE-Club-Mitglied


Beiträge: 87

07.12.2008 00:45
#14 7. Dezember antworten

Leider kann ich kein Winterbild bieten, aber vielleicht passt mein Bild bei großzügiger Betrachtung doch zum 2. Advent...

Es zeigt die 5906 im Oktober dieses Jahres bei der Einfahrt in Gernrode – mit zwei (von zugegebenermaßen nur drei) Lichtlein, die vorschriftsmäßig die Zugspitze signalisieren. Das dritte hat sich offenbar noch nicht so ganz entschieden – oder gibt es da eine Vorgehensweise, die ich noch nicht kenne?
Ich wünsche euch einen schönen und besinnlichen 2. Advent!

Nico


Angefügte Bilder:
mallet.jpg  
grüner Offline




Beiträge: 757

07.12.2008 15:14
#15 RE: 7. Dezember antworten

Zitat von Nico2
...........
Es zeigt die 5906 im Oktober dieses Jahres bei der Einfahrt in Gernrode – mit zwei (von zugegebenermaßen nur drei) Lichtlein, die vorschriftsmäßig die Zugspitze signalisieren. Das dritte hat sich offenbar noch nicht so ganz entschieden – oder gibt es da eine Vorgehensweise, die ich noch nicht kenne?



Hi Nico

wenn Du genau hinschaust siehst Du das in Fahrtrichtung rechts das " Lichtlein " dirch die rote Zugschlussscheibe verdeckt ist, also rot leuchten müsste.
Auf der 6 kann man das rechte Licht einzeln einschalten und die 2 Anderen werden gemeinsam geschaltet.

Pfiff aus dem Tal
Renè

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